Projektbeispiele aus Schulen

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Zahlreiche Schulen in Sachsen-Anhalt haben sich bereits auf den Weg gemacht, das Konzept der Interkulturellen Öffnung auf ihre Institution zu übertragen. Dabei sind Projekte entstanden, die Wege und Handlungsalternativen zu einem konstruktiven und wertschätzenden Umgang mit Vielfalt aufzeigen und somit als Anregung für die Praxis auch in Ihrer Schule dienen können.


MODELLPROJEKT „Vielfalt Nutzen“

Das Modellprojekt „Vielfalt nutzen. Diversity Management und Service Learning an Grundschulen in Sachsen-Anhalt“ unterstützte von 2011 bis 2015 in Trägerschaft der Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis e.V. den Aufbau von Partnerschaften zwischen Grundschulen und Migrantenorganisationen. Ziel des Projektes war es, interkulturelles Lernen zu fördern, zu einer interkulturellen Öffnung der Schulen beizutragen und dabei insbesondere die Potentiale von Menschen mit Migrationshintergrund zu nutzen.

Im Rahmen von „Vielfalt nutzen“ wurden verschiedene Lernprojekte entwickelt und umgesetzt, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise und in unterschiedlichen Formaten die Auseinandersetzung mit interkulturellen Aspekten fördern und Möglichkeiten zur Implementierung interkulturellen Lernens in den Schulalltag aufzeigen.

VN PROJEKTFOND_WEB_Cover-001Mit der Dokumentation „Projektfonds. Vielfalt hat Methode“ erhalten Sie einen Einblick in 15 Lernprojekte, die 2014 gemeinsam von Schulen und Migrantenorganisationen umgesetzt worden sind.

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Grundschulen


Projekt: Märchen der Welt

Schule: Grundschule Wolfgang Borchert (Halle)
Migrantenorganisation: Slawia-Kulturzentrum e.V.

Gemeinsam mit den Kindern der Grundschule Wolfgang Borchert in Halle erarbeiteten die Mitglieder des Slawia-Kulturzentrums verschiedene Märchenstücke. Für ein selbst geschriebenes Szenario mit Musikbegleitung wurden Puppen und Kulissen hergestellt und passende Musik zur eigens entwickelten Choreographie ausgesucht. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Lehrer*innen, Schüler*innen und Mitgliedern des Vereins sollten Vorurteile abgebaut und über den Bezug zu Märcheninterpretationen das Gemeinsame in der Verschiedenheit deutlich gemacht werden.


Projekt: Väterchen Frost

Schule: Geschwister Scholl Grundschule Dessau
Migrantenorganisation: Eltern aktiv

Gemeinsam mit Eltern mit Migrationshintergrund studierten Schüler*innen der Geschwister Scholl Grundschule ein traditionelles, russisches Weihnachtslied ein und ließen „Väterchen Frost“ im Rahmen eines Schulweihnachtsfestes kleine, traditionell russische Geschenke verteilen. Daneben wurde eine „Sprechstunde“ zu russischen Bräuchen mit Väterchen Frost organisiert. Weiterhin bereiteten Schüler*innen und Mitglieder der Migrantenorganisation zusammen landestypische Gerichte zu und aßen sie gemeinsam in der Klassen. Ziel des Projektes war es, über die Vermittlung traditioneller Bräuche anderer Kulturen Vorurteile bei den Kindern abzubauen.


Projekt: Einführung in die Vielfalt der Märchenwelt

Schule: Grundschule „Hegelstraße“
Migrantenorganisation: Harmonia e.V. – Internationales Zentrum für Kultur, Bildung und Soziales in Sachsen-Anhalt

Die Zweitklässler der Grundschule „Hegelstraße“ wurden innerhalb der Kooperation mit Harmonia e.V. in einer wöchentlich stattfindenden Arbeitsgemeinschaft in die bunte Viel-falt der Märchenwelt eingeführt. Gemeinsam mit Mitgliedern der Migrantenorganisation lasen sie Märchen aus allen Teilen der Welt, malten Bilder zum Gehörten und fertigten kleine Puppen an, um die Geschichten nachzuspielen. Auf diese Art und Weise setzten sie sich spielerisch mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden in den Sitten und Bräuchen der verschiedenen Länder auseinander und stärkten gleichzeitig ihre kommunikativen Fähigkeiten.


Projekt: Religiöses Leben in Dessau

Schule: Grundschule „Am Akazienwäldchen“
Migrantenorganisation: Migrantenrat Dessau-Roßlau

Gemeinsam mit den Schüler*innen der Grundschule „Am Akazienwäldchen“ gestaltete der Migrantenrat Dessau-Roßlau das Projekt „Religiöses Leben in Dessau-Roßlau“. Die Kinder der ersten Klassen wurden mit Unterstützung von durch den Migrantenrat vermittelten Vertreter*innen der verschiedenen Religionen auf eine Entdeckungstour durch das religiöse Leben in Dessau-Roßlau eingeladen und besuchten dabei unter anderem die religiösen Gebetsräume der vor Ort ansässigen Glaubensgemeinschaften. Daneben wurden Sprachmittlungen von und für Eltern mit Migrationshintergrund durchgeführt und Informationen zum Schulalltag und Schulsystem in Sachsen-Anhalt in verschiedene Sprachen übersetzt.


Projekt: Besser Esser Kids – International

Grundschule „Am Umfassungsweg“
Migrantenorganisation: Jüdisches Soziokulturelles Zentrum „Ludwig Philippson“ e.V.

Im Mittelpunkt dieses Projektes stand der Kulturaustausch über das gemeinsame Kochen und Backen traditioneller russischer und deutscher Speisen. Vorher zusammen ausgewählte Speisen wurden dabei alle zwei Wochen in der Schule zubereitet und boten dabei die Gelegenheit für deutsche und russische Kinder und Eltern, miteinander ins Gespräch zu kommen und die jeweils andere Kultur besser kennen zu lernen. Daneben findet regelmäßig ein zweisprachiges Vorlesen von Schüler*innen der Grundschule für die Kinder der benachbarten Kindertagesstätten.


Projekt: Interkulturelle Kompetenz in der Schule

Schule: Grundschule „Am Luisium“
Migrantenorganisation: Migrantenrat Dessau-Roßlau

Die Grundschule „Am Luisium“ realisierte zusammen mit dem Migrantenrat Dessau-Roßlau eine wöchentliche Arbeitsgemeinschaft mit dem Titel „Vielfalt“ für die Schüler*innen der dritten und vierten Klassen. Abwechselnd besuchten die Kulturmittler des Migrantenrats den Unterricht und brachten den Kindern Bausteine anderer Kulturen näher. Zusätzlich wurden demokratierelevante Themen in den Ethik- bzw. Religionsunterricht integriert, um kulturelle Vielfalt zunehmend als „normalen Zustand“ in den Köpfen der Kinder zu verankern. Hierbei unterstützte auch das im Rahmen des Projektes angebotene Elternforum mit dem Thema „Kompetenzstärkung der Kinder“.


Projekt: Vielfalt erleben

Schule: Grundschule „Am Umfassungsweg“
Migrantenorganisation: verein für traditionelle chinesische Kultur Magdeburg e.V.

Einmal im Monat gaben die Mitglieder des Vereins für traditionelle chinesische Kultur in Magdeburg den Schüler*innen der Grundschule „Am Umfassungsweg“ in diesem Projekt die Gelegenheit, sich an chinesischen Bräuchen und Traditionen auszuprobieren. Dabei erfuhren die Kinder etwas über das chinesische Leben und wurden gleichzeitig dazu angeregt, auch den eigenen kulturellen Hintergrund zu hinterfragen und über eigene Positionen nachzudenken.


Weiterführende Schulen


Projekt: Jerusalem – eine Stadt und drei Religionen

Schule: Sekundarschule am Schillerpark Dessau
Migrantenorganisationen: Ensemble Shoshana

Das Ensemble „Shoshana“, dessen Repertoire Lieder und Instrumentalstücke der mittel- und osteuropäischen Juden umfasst, vermittelte im Rahmen der Projekttage „Jüdisches Leben sinnlich erleben“ den Schüler*innen der Sekundarschule am Schillerpark in Dessau die jüdische Kultur mit ihren Traditionen, Bräuchen, Geschichten, Musik und ihrem Tanz. Parallel dazu besuchten die Schüler*innen die Ausstellung „Jerusalem – eine Stadt und drei Religionen: Israel – Im Blick von Touristen“ des Shoshana-Mitglieds Lena Norinska. In der Führung wurden Traditionen und Geschichten zum jüdischen Leben weiter vertieft.


Projekt: Vielfalt erleben

Schule: Gymnasium Philanthropium
Migrantenorganisation: Jüdischer Kulturverein Dessau e.V.

Der Jüdische Kulturverein in Dessau und das Gymnasium pflegten bereits vor Projektbeginn eine rege Partnerschaft, die z.B. den regelmäßigen Besuch des Synagogenraums durch Schüler*innengruppen ermöglichte. Im Laufe des Projekts wurden weitere Aspekte religiöser und kultureller Vielfalt in Dessau betrachtet, so wurden Fahrten zu weiteren Stätten des Judentums wie dem Jüdischen Museum in Berlin realisiert. Ziel war es, Berührungsängste vor fremden Kulturen und ihren Religionen abzubauen, religiöse Vielfalt als Teil einer globalen Einheit zu verstehen und die Schüler*innen zu einer offenen Kommunikation zu befähigen.


Projekt: Integration durch Kung-Fu

Schule: Kooperative Gesamtschule „Ulrich von Hutten“
Migrantenorganisation: Vo-Dao-Vietnam e.V.

Über die Grundelemente der Kampfkunst Kung-Fu haben die Kinder der Kooperativen Gesamtschule „Ulrich von Hutten“ in diesem Projekt die Erfahrung gemacht, dass Sport auch über kulturell wahrgenommene Grenzen verbindet und sich beim Gruppentraining in starkes Gemeinschaftsgefühl entwickeln kann. Werte wie Respekt, gegenseitige Achtung und Beherrschung spielen sowohl im Kampfsport als auch beim Integrationsgedanken eine große Rolle. Gespräche über diese Werte sowie persönliche Erfahrungen der Kinder wurden gleichermaßen fokussiert wie das Erlernen der Grundtechniken des Kung-Fu. Hierdurch sollten die Kinder Berührungsängste mit fremden Kulturen abbauen und gleichzeitig zu tolerantem und couragierten Handeln befähigt werden.


Projekt: Violine natürlich

Schule: Förderschule für Körperbehinderte „Schule an der Muldaue“
Migrantenorganisation: Con Figurazione

Die kammermusikalische Migrant*innengruppe der Anhaltinischen Philharmonie „Con Figurazione“ ging im Juni 2012 eine Partnerschaft mit der Schule für Körperbehinderte „An der Muldaue“ ein. Im Zentrum des Projektes steht die Idee von der Harmonie zwischen Körper und Umwelt und in einem mehrtägigen Projekt wurde Musik als ganzheitliches Medium zur unmittelbaren Umwelt und zur Findung des eigenen Ichs erlebbar gemacht. Sowohl Instrumentalkunde als auch interaktives und interkulturelles Lernen standen dabei im Vordergrund.


Projekt: Eine Reise in die Mongolei

Schule: SCHULE DES LEBENS Helen-Keller-Schule, Schule für Geistigbehinderte
Migrantenorganisation: deutsch-Mongolischer Verein „Gobi“ e.V.

Die Mitglieder des deutsch-mongolischen Vereins „Gobi“, zu denen auch einige Lehrer*innen der Förderschule zählen, haben es sich in diesem Projekt zum Ziel gesetzt, den Schüler*innen den Alltag und die Kultur der Mongolei näher zu bringen. Dafür sahen sie sich gemeinsam mit den Schüler*innen Fotos, Gegenstände, Spiele und Spielzeuge aus der Mongolei an und hörten Geschichten und Berichte aus dem Land.

Daneben wurde eine Spendenaktion zur Unterstützung der Kinder und Jugendlichen an der Partnerschule des Vereins in Ulan-Bator durchgeführt und ein gemeinsames interkulturelles Fest organisiert.


Projekt: Russische Märchen-Weihnacht

Schule: Förderschule „Astrid Lindgren“
Migrantenorganisation: Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V.

In mehreren kleinen Aktionen brachte die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in diesem Projekt den Schüler*innen der Förderschule „Astrid Lindgren“ die russischen Winter-Feiertage sowie die russische Küche näher. Neben einem gemeinsamen Weihnachtfest veranstaltete der Verein zusammen mit den größeren Kindern der Schule ein Schulessen zu dem russische „Pelmeni“ vorbereitet wurden. Ziel des Projektes war es einerseits, die russische Kultur anschaulich zu vermitteln, aber gleichzeitig sollte auch die gesellschaftliche Integration gefördert werden.


Projekt: Märchen für alle

Schule: Förderschule für geistig Behinderte „Regenbogenschule“
Migrantenorganisation: Jüdischer Kulturverein Dessau e.V.

Ziel dieses Projektes war der Austausch nicht nur über Kulturen sondern auch über Generationen hinweg. Die Schüler*innen der „Regenbogenschule“ lernten im offenen Unterricht Traditionen und Kulturelemente sowie Märchen der jüdischen Kultur kennen und studierten letztere anschließend ein. Aufgeführt wurden die Märchen dann in einem benachbarten Pflegeheim, wobei die Schüler*innen auch die Gelegenheit bekamen, mit den Senior*innen über die neuen Erfahrungen zu sprechen. Kulturelle Vielfalt wurde hier über Musik, Tanz, Erzählen und Gesang positiv erlebbar gemacht und gleichzeitig über Generationen hinweg transportiert.

 

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